Hermann Hesse - Farbe ist Leben

Sonntag, 23. Oktober 2011 -
bis 2.12.2011

Hesse-Editionsarchiv V.M. OF

Erstmals in Braunschweig zu sehen, eine Umfangreiche Schau zum Leben und Werk des Literaturnobelpreisträgers, mit rund 70 Aquarellen, illustrierten Handschriften, Malbriefen und Gedichten. Die jakob-kemenate setzt die Reihe von "Künstler-Mehrfachbegabungen" fort, die zuletzt mit Günter Grass sehr erfolgreich war.


Öffnungszeiten

Montag bis Sonntag, 10 – 18 Uhr

Preise
Erwachsene € 5
Kinder und Jugendliche bis einschl. 18 Jahre frei

Führungen
Individuelle Führungen nach Vereinbarung auf Wunsch auch in anderen Sprachen
unter Tel. 05306 / 95 95 26


Informationen oder Buchungen
jakob-kemenate
Tel.: 05306 / 95 95 26
Fax.: 05306 / 50 90
oder direkt übers Internet
   
Adresse

jakob-kemenate
Eiermarkt 1a
38100 Braunschweig

Veranstaltungsprogramm

copyright für die Texte von Hermann Hesse: Suhrkamp Verlag, Berlin copyright für die Konzeption der Lesungen (40 Orte 40 Lesungen): Regina Bucher, Fondazione Hermann Hesse Montagnola (CH)


Helfen Sie mit!
Wie zu anderen großen und erfolgreichen Ausstellungen in Braunschweig (Barlach, Buß, Chagall, Plickat, Günter Grass) brauchen wir Ihre Hilfe und laden Sie zur Mitarbeit ein.



Kunst 8

Samstag, 14. August 2010 - Sonntag, 12. September 2010

Bereits zum 5ten Mal verbindet Kunst 8 das alte Handelszentrum von Braunschweig zwischen Brüdernkirche und jakob-kemenate, zwischen Altstadtmarkt und Bäckerklint mit zeitgenössischer Kunst und interessierter Öffentlichkeit.

Angela Camara Correa,

sucht in ihren Arbeiten die Verbindung zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen alten Ritualen und zeitgenössischen Gefühlen, konzipiert die Teilhabe der sonst nur Rezipierenden: Zusammen mit den vielen Ehrenamtlichen, die die Arbeit an diesem Ort tragen, ist eine traditionelle, brasilianische „Plauderdecke“ entstanden. In ihr verweben sich Kulturen, Rituale und Geschichten.
Fast als Metapher der künstlerischen Intention von Angela Camara Correa erscheint das Treppenhaus der Kemenate, die Brückenarchitektur zwischen Alt- und Neubau. Ihm gibt sie durch eine feine Gazearbeit, die an die sieben Röcke des spirituellen brasilianischen Tanzes erinnert, poetische Aufladung.


Günter Grass - Grafiker Bildhauer Schriftsteller

Sonntag, 14. November 2010 -
verlängert bis 30.1.2011

Das bildnerisch-schriftstellerische Doppeltalent Günter Grass gehört zu jenen schöpferischen Giganten, dessen Arbeiten das kulturelle Leben in Europa deutlich mitgeprägt haben.


Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann und dem Niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister

Förderer

Stiftung Braunschweiger Kulturbesitz
Stadt Braunschweig - Kulturinstitut
Stiftung Prüsse

Kooperationspartner

Günter Grass Haus Lübeck
Jüdischen Gemeinde Braunschweig,
St.Martini-Kirche,
Amtsgericht Braunschweig,
Jugendkunstschule buntich
Deutsche Bahn
Raabe Haus - Braunschweig
Martino Katharineum
Buchhandlung Graff

wird die eigens für Braunschweig konzipierte Kunst-Ausstellung
erstmals Radierungen, Lithographien sowie Plastiken von Günter Grass zeigen (ca.30 Plastiken und 70 Grafiken)


Öffnungszeiten
Montag – Sonntag 10 – 18 Uhr
geschlossen: 19.11., 10.12., 24.12.-26.12 und 31.12.-1.1.2011)

Preise
Erwachsene € 5
Kinder und Jugendliche bis einschl. 18 Jahre frei

Führungen
Individuelle Führungen nach Vereinbarung auf Wunsch auch in anderen Sprachen
unter Tel. 05306 / 95 95 26

Führungen von Kindern für Kinder
Jugenkunstschule buntich - Kinder werden die Kunstwerke von G. Grass für Kinder erläutern. Sogar der originale Nobelpreis wird zu sehen sein.

Katalog zur Ausstellung
Zur Ausstellung wird ein eigens entworfener und Katalog produziert. Diesen können Sie schon jetzt unverbindlich vorbestellen.
Preis: 9.90 €


Informationen oder Buchungen
jakob-kemenate
Tel.: 05306 / 95 95 26
Fax.: 05306 / 50 90
oder direkt übers Internet
   
Adresse

jakob-kemenate
Eiermarkt 1a
38100 Braunschweig



Im eisigen Nachkriegswinter 1947/48 erschien ein junger Mann in der wegen Kohlenmangels geschlossenen Düsseldorfer Kunstakademie und erwiderte auf die Frage eines zufällig anwesenden Professors: „Bildhauer will ich werden.“

Der Professor vertröstete ihn auf bessere Zeiten und empfahl ihm, inzwischen das Steinmetzhandwerk zu lernen. So erzählt es Günter Grass in seinem autobiographischen Buch Beim Häuten der Zwiebel.
Nach einem Praktikum in zwei Steinmetzbetrieben studierte er von 1948 bis 1952 Bildhauerei und Grafik in Düsseldorf, und setzte 1953 das Studium an der Berliner  Hochschule für Bildende Künste fort, wo er Meisterschüler des Bildhauers Karl Hartung wurde. Seinem verehrten Düsseldorfer Lehrer Otto Pankok, „der fast nur mit Kohle oder an Holzschnitten arbeitete und sogar als farbenblind galt“, hat er mit einem von ihm gestifteten Otto-Pankok Preis, der für Verdienste um das Volk der Roma und Sinti vergeben wird, ein Denkmal gesetzt.

Zehn Jahre nach jenem Nachkriegswinter hatte Günter Grass seine ersten Ausstellungen von Plastiken und Grafiken in Stuttgart und Berlin, zwölf Jahre später, im Herbst 1959, erschien sein in Paris geschriebener erster Roman Die Blechtrommel.

Zeichnen oder Bildhauern einerseits und andererseits Schreiben - bei Günter Grass sind das zusammengehörende handwerkliche, künstlerische Tätigkeiten. In einem Essay hat er die Frage „Bin ich nun Schreiber oder Zeichner?“ vor langen Jahren für sich und uns ein für alle Mal geklärt:


„Ich zeichne immer, auch wenn ich nicht zeichne, weil ich gerade schreibe oder konzentriert nichts tue. Und auch beim Zeichnen schreiben sich Sätze fort, die angefangen auf anderem Papier stehen. Seht, sagt die Zeichnung, wie wenige Wörter ich brauche; hört, sagt das Gedicht, was zwischen den Linien ist. Und weil sich bei mir im Schreiben das Zeichnen fortsetzt, weil aus der zeichnerischen Struktur epische Perioden als Satzgefälle abzuleiten sind, hat mich die Frage ‚Bist du nun Schreiber oder Zeichner zuallererst?’ nie kümmern können. Wörtlich oder zeichnerisch genommen: Es sind die Grauwerte, die unsere Wirklichkeit tönen, stufen, eintrüben, transparent machen. Weiss ist nur das Papier. Es muss befleckt, mit harter oder brüchiger Kontur belebt oder mit Wörtern besiedelt werden, die die Wahrheit immer neu und jedesmal anders erzählen. Ein schreibender Zeichner ist jemand, der die Tinte nicht wechselt.“

Diese Selbstaussage klärt noch eine andere Frage: Die Bilder, die Zeichnungen, Grafiken und Plastiken des Künstlers Günter Grass illustrieren in der Regel nichts Geschriebenes, sind kein Beiwerk zu den Gedichten, Erzählungen und Romanen des Schriftstellers Günter Grass. Es sind eigene, für sich bestehende Kunstwerke, die oftmals  thematisch mit dem Geschriebenen in Zusammenhang stehen, aber auch das nicht immer.

So kommt es vor, dass bei Grass die Zeichnung, das Bild sogar am Beginn einer neuen Schreibphase steht, als frühe Idee, und dann zum Motiv wird, zum Motiv einer neuen Prosaarbeit, eines Theaterstücks, oder eines Gedichts. Schon Mitte der fünfziger Jahre entstanden Zeichnungen und eine in Bronze gegossene Plastik, die einen Butt darstellen – rund zwanzig Jahre, ehe Grass den Roman Der Butt schrieb. Krebse und Fische sind von früh an wiederkehrende Motive von Grafiken und Gedichten. Heringe waren, wie Grass einmal bemerkte, ein billiges Essen für den jungen Künstler. Die Vogelscheuchen, die er zuerst in den fünfziger Jahren und dann immer wieder zeichnete und formte, fanden Eingang in den Roman Hundejahre (1963). Die „bösen Köche“, von den fünfziger Jahren an Gegenstand vieler Grafiken und Skulpturen, sind titelgebendes Motiv in einem Theaterstück von Grass, das 1961 am Berliner Schiller-Theater uraufgeführt wurde. Ratten tauchen in Zeichnungen, Grafiken und Gedichten auf, lange bevor 1986 der Roman Die Rättin erscheint. Nonnen, verschreckte oder durch die Lüfte segelnde, zeichnete Grass, ehe sie in der Blechtrommel erschienen.
 

Grass schreibt jeweils die erste Fassung seiner Romane und Erzählungen mit der Hand, mit dem Füllfederhalter. Während dieses Niederschreibens entstehen am Rand der Seiten oder mitten zwischen den Zeilen kleine oder auch größere Skizzen, mit denen er sich anschaulich macht, was er vor Augen hat, sagen will – Skizzen, die „den Schreibfluss fördern“ und aus denen später zuweilen Zeichnungen und Grafiken entstehen.



Mitte der neunziger Jahre, nachdem er den von jugendlichem Übermut und heiter-melancholischer Altersweisheit beschwingten Berlin- und Fontane-Roman „Ein weites Feld“ geschrieben hatte, kehrte Grass zu seiner eigenen Überraschung zur Farbe zurück. Er holte seinen Farbkasten hervor und erfand etwas Neues, das er „Aquadichte“ nennt: Aquarelle mit hineingeschriebenen Gedichten, aus denen der Band Fundsachen für Nichtleser (1997) entstand. Hier gehört das eine zum anderen, das Gedicht zum Bild, oder das Bild zum Gedicht, aber als ledender Betrachter könnte man nie sagen, was zuerst da war oder ob beides gleichzeitig, sozsusagen in einem Atemzug entstand.

    Aquadichte
    sind Verse, die ich
    mittels gefüllter Tuborgflaschen,
    wasserlöslichen Farben,
    sattem Pinsel
    und offenen Auges herstelle;
    ach ja, Papier ist vonnöten.

 
  

Ein einziges Mal hat der bildende Künstler und Literaturnobelpreisträger Günter Grass eine Auftragsarbeit übernommen. Er wurde gebeten, für eine Mappe zum 200. Geburtstag von Hans Christian Andersen Lithograhien zu zeichnen, Bilder zu dreißig von ihm selbst ausgewählten Märchen. Wie in einem Rausch schuf Grass liebevoll, mit sichtbarer Zuneigung Blatt um Blatt - am Ende waren es viele Blätter mehr, als für eine Mappe gebraucht wurden. Nur selten dürfte sich ein großer Künstler mit solcher Hingabe in den Dienst eines anderen Künstlers gestellt haben. Die Arbeiten wurden in einer großen Ausstellung zum 200. Geburtstag des Märchenerzählers im Jahre 2005 in Dänemark gezeigt und erschienen in Buchform unter dem Titel Der Schatten – Hans Christian Andersens Märchen (2005).


Text Auszüge aus dem Katalog-Vorwort  von Helmut Frielinghaus
Fotos Archiv der jakob-kemenate